Von Höhlen, Aldi und dem großen Navi-Streik: Meine Recherche-Reise nach England und Wales
Manchmal werde ich gefragt, wie ich die Orte für meine Bücher auswähle. Klingt nach tiefgründiger Literaturrecherche und nächtelangem Wälzen von Geschichtsbüchern, oder? Tja. Die Wahrheit sieht manchmal etwas anders aus.
Im Jahr 2024 habe ich mich auf eine große Recherche-Reise begeben, um Will und Letty für Band 2 so richtig nahezukommen. Erste Station: Nottingham. Eine Stadt, die mich absolut fasziniert hat. Sie ist unglaublich sauber und buchstäblich unterhöhlt – unter den Straßen existiert ein riesiges, historisches Höhlensystem. Perfekt für das Nachtreich!
Aber soll ich dir das wahre Geheimnis verraten, warum ich ausgerechnet Nottingham gewählt habe? Es lag einem von Deutschlands größten Lebensmitteldiscounter. Der hat dort in der Nähe sein britisches Hauptquartier. Okay, ich komme schau es mir an und suche ein paar Monster. Bei den Elfen hat das ja auch geklappt.
Romantisch, ich weiß.
Kirchen, Cafés und Robin Hood
In Nottingham bin ich meinen Protagonisten zum ersten Mal extrem nahegekommen. Ich habe Stunden damit verbracht, durch die Straßen zu streunen, mit der Tram von einem Ende zum anderen zu fahren (Erkenntnis: Lohnt NICHT).
Was sich gelohnt hat und ein absolutes Highlight war, war die Kirche St. Mary’s – die Kirche, er Ort, an dem laut den alten Balladen Robin Hood höchstpersönlich vom Sheriff von Nottingham gefangen genommen wurde (und laut einigen Legenden sogar begraben liegt). Die Atmosphäre dort ist pure Magie.
Gleich um die Ecke gab es noch eine andere, alte Kirche, die inzwischen zu einem super charmanten Café/Restaurant umgebaut wurde. Ich saß dort bei einer Tasse Tee, habe die Architektur auf mich wirken lassen und dachte nur: Das muss ins Buch, denn die ist wirklich romantisch. Und voilà: In Band 2 wird genau diese Location einen ganz besonderen Auftritt haben! Freut euch auf das Pitcher & Piano.

Wales, Burgen und das Abenteuer Linksverkehr
Danach ging es weiter nach Wales. Und ab da wurde es ein echtes Abenteuer. Schon mal im Linksverkehr unterwegs gewesen? Entgegen allen Warnungen war der Linksverkehr an sich überhaupt kein Problem. Worauf mich allerdings niemand vorbereitet hatte: das faszinierende Konzept der britischen Kreisverkehre. Das rechtzeitige Einordnen vor dem Kreisel ist dort eine ganz eigene Wissenschaft. Hätte mir das mal vorher jemand verraten, hätte ich den einheimischen Autofahrern einige Schimpftiraden und wilde Gebärden erspart.
Trotzdem habe ich es unbeschadet zu den spektakulärsten Burgen geschafft: Conwy Castle und Caernarfon Castle. Diese alten Gemäuer sind so gewaltig und geschichtsträchtig, dass man förmlich spürt, wie die Ideen in den Kopf schießen. Wenn man dort durch die kalten Steingänge läuft, entstehen die Szenen für das Nachtreich fast von allein. Und jetzt ein Geständnis: Annwn ist die Unterwelt von Wales.
Das absolute Highlight der Reise verdanke ich allerdings einer technischen Fehlleistung. Mitten in Wales beschloss mein Navi nämlich spontan, in den Streik zu treten. Kein Empfang. Tot. Da stand ich nun, im Linksverkehr, ohne Plan. Im Nirgendwo. (Kein Scherz. Nur Gebirge, Seen, Täler, Straße.)
Und was passiert? Ich habe mich gnadenlos verfahren und bin dadurch mitten im Snowdonia-Nationalpark gelandet. Es war fantastisch! Ich bin an spektakulären Aussichtspunkten vorbeigekommen, durch pittoreske kleine Örtchen kurvt, die ich sonst nie gefunden hätte, und hatte im Grunde den besten Recherche-Tag überhaupt. Manchmal muss das Schicksal eben das Navi ausschalten, damit man die wahre Magie findet.
Viele dieser Eindrücke, der düsteren Burgmauern und der nebligen walisischen Landschaften haben es direkt nach Château Guillaume geschafft. In genau sechs Wochen kannst du selbst überprüfen, welche Ecken dir bekannt vorkommen!
Warst du schon mal in Nottingham oder Wales? Und hättest du dich ohne Navi in den Linksverkehr getraut? Schreib es mir gern in die Kommentare!
